Die Freak-Folk-Sound-Wirrwarr-Pioniere vom Tierkollektiv sind wieder da. Im September erblickte der Nachfolger des Meisterwerks ‘Merriweather Post Pavillion’ (2009) das Licht der Plattentische. Vor dem lang erwarteten Konzert im Zürcher X-Tra nahm sich Noah Lennox aka Panda Bear die Zeit für ein Telefongespräch. (more…)
Mulmig war das Gefühl, als man erfuhr, dass Bon Iver im Komplex spielen würde, wo man Sound-technisch schon so einige Male unten durch musste. Und erwartet hatten wohl so manche ein ruhiges Folk-Konzert. Gekommen ist alles anders. Was man Gestern zu hören bekam war eine Oper an Gefühlen, ein Bon Iver, der sich austobte, die Songs völlig neu arrangierte und mit den Bläsern, Geigern und Multiinstrumentalisten eine Stimmung erzeugte, die seinesgleichen sucht. Die Emotionen liessen so manchen Freudenstränen freien lauf und trieben die Stimmung in pure Euphorie. Von mir aus hätte dieser Abend nie enden können. Danke Komplex (fürs gute Klingen). Danke Abart Team (für Bon Iver in Zürich) und Danke natürlich Bon Iver & Band. Ein absolutes Highlight dieses Jahr! db
Ich kann mich noch gut erinnern, wie das Gelände vor zwei Jahren ausgesehen hat. Und zwar, weil’s gar kein richtiges war. Vieles wirkte improvisiert und zufällig. Jetzt zwei Jahre später steht eine Infrastruktur – und was für eine! Ein übersichtliches Gelände mit einer guten Auswahl an Foodständen, Essbereich mit Holztischen, breite Holzwege, spülbare WCs, Merch-Stände, zwei grosse Bühnen und ein Aufgebot an Bands, das von der Fülle an Headlinern kaum zu toppen ist. Auch wenn nicht alles geklappt hat (Lautstärke, Schliessfächer, fliessendes Wasser), kann man sicher sein, dass die letzten Fehler im nächsten Jahr behoben sein werden. Es war klar, dass das Jeton-Zahl-System auf allgemeine Kritik stossen würde. Dass es aber dadurch an der Bar merklich schneller ging, haben die wenigsten gemerkt. Die Stimmung auf dem Festivalgelände war (im Gegensatz zu den Stimmen im Web) extrem gelassen und entspannt. Mit ein paar Bieren war dann auch das Anstehen an den Jeton-Wechselzentralen nur halb so wild.
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Die Festivalsaison biegt langsam aber sicher auf die Zielgerade ein und die hiesigen Schwer- und Mittelgewichte gehen mal leiser (Gurten), mal lauter (St. Gallen) über die Bühne. Wer aber keine Lust auf Campingplatz-Mordor hat, schaut sich schon lange nach eintägigen Alternativen wie den Musikfestwochen in Winterthur oder eben der poolbar in Feldkirch AT um. Das an der rund siebenwöchigen (!) Sause nichts für den eigenen Geschmack dabei ist, ist schier unmöglich, schliesslich reicht die Bandbreite an Künstlern allein dieses Jahr von Schockrock à la Marilyn Manson, über Hip-Hop Marke Cro, Singer/Songwriter The Whitest Boy Alive bis hin zu den Postrockhelden von Mogwai.
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JOSEPH ARTHUR – 06.05.12 – RESTAURANT VIADUKT
Immerverlassener, Ewigleidender, Dauerreisender – Joseph Arthur trug sein Kreuz abermals nach Zürich. Nicht, um sich zur Schau zu stellen, noch weniger, um sich wichtig zu nehmen, sondern, für einmal, einzig und allein, um zu teilen. Denn schliesslich ist die ihn quälende Last die des gebrochenen Herzens, deren zwei Hälften gemeinsam ein umso Vielfacheres wiegen als seine vereinte Einheit.
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LAMBCHOP – 13.03.12 – KAUFLEUTEN
Dies war mein erstes Lambchopkonzert. Und auch mein letztes. Wie es dazu kommen konnte: Ich kenne die Band seit dem Doppelalbum «Aw C’mon / No You C’mon». Das ist schon eine Weile her und trotzdem habe ich es noch nie an ein Konzert von Lamchop, der ziemlich eigenen Band aus Nashville geschafft, die den Durchbruch dem verstorbenen Vic Chesnutt zu verdanken haben, dem sie auch ihr aktuelles Album «Mr. M» gewidmet haben. Man kann also nachvollziehen, auf Lambchop freute ich mich sehr. Doch es sollte alles anders kommen. Eine Viertelstunde zu spät kamen wir im Kaufleuten an und mussten bald merkten, dass das ein Fehler war. Der Saal war gestult, und es gab kein Durchkommen zu den Sitzreihen, denn die stehenden Gäste standen ziemlich dicht im hinteren Teil und nahmen es sehr ernst, Ihren Platz zu verteidigen. Einzelne «Psssts» kamen uns entgegengeschossen – obwohl wir gar nichts gesagt haben. Aber bei dieser seltsamen Andacht störten wohl schon die Gummisohlenschritte von Converse-Schuhen. Dann wollten wir uns Mut antrinken, für einen weiteren Versuch nach vorne, um wenigstens etwas zu sehen, doch die Bar war geschlossen. So ein Eiswürfelgeklimper kann ja auch furchtbar störend sein!
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Ich bin ja der Meinung, ein Artikel, der einen gewissen journalistischen Anspruch hat, sollte – nein darf – NIE mit «ich» beginnen. Ich erinnere mich auch noch daran, dass man nicht sich zuerst nennen soll, bei einer Aufzählung. Egal. Ich finde übrigens auch, jemand, der eine Band überhaupt nicht kennt, sollte keine Konzertreview darüber schreiben. Egal, denn ich werde hier jetzt eine Ausnahme machen, weil Philipp Poisel an seinem Konzert im Moods am 16.11. auch Dinge gemacht hat, die ein vielversprechender Musiker, der in Deutschland riesige Hallen füllt und bei Herbert Grönemeyers Label Grönland unter Vertrag ist, eigentlich auch nicht macht.
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Da ich sie bisher nur von Festivals kannte, war ich sehr auf meine erste Headline-Show der Kaiser Chiefs gespannt, und wurde nicht enttäuscht. Aber beginnen wir von vorne. Opener des Abends waren Transfer, eine Rockband aus San Diego, die mit ihrem vollen Sound zwar nicht das Rad neu erfunden, aber doch einen soliden Auftritt geliefert haben.
Digitalism hat für die neue Platte “I love You, Dude” mächtig auf die Mütze gekriegt. Das interessiert in der Maag Halle keinen. Doch, alle. Wer heute zur Schnischnaschnapszahl nicht geheiratet oder sein Kaiserschnittbaby geworfen hat, ist hier (seit Wochen ausverkauft), weil er die Mütze auch ordentlich voll haben will. Einseinself, Einseinself!
Drei Bands, die zur Hälfte überzeugten: vorallem dEUS und das halbe Set von Archive zeigten, dass Rockkonzerte noch immer sehr energiegeladen sein können.
Über den langweiligen Auftritt der ideenlosen Absynthe Minded braucht man nicht viele Worte verlieren; widmen wir uns lieber gleich den belgischen Rockheroen dEUS. Denn während erstere rockigen Britpop mit nur einem Zehntel der Phantasie der Dandy Warholes kopierten, haben sich dEUS in den letzten gut 15 Jahren ungeachtet von Trends ihre eigene Nische aufgebaut: nämlich gitarrenlastigen Pop mit subtilen Melodien und spannenden Geschichten. (more…)