THE BLACK ATLANTIC IM PARTERRE

Ich traf Geert und Matthijs von The Black Atlantic vor ihrem Konzert im wunderschönen Parterre in Basel. Im charmanten Backstagebereich, umhüllt vom Duft von Schweizer Käse (das war offenbar Absicht), ergab sich ein Gespräch über die gemeinsame Liebe zu einer isländischen Band, das grossartigste Festival der Welt und natürlich darüber, wie sich unsere Grenze ohne Pass überqueren lässt. Doch nun von Anfang an…

Wer im Internet nach musikalischen Referenzen zu euch sucht, der stösst auf die unterschiedlichsten Vorschläge: Von Sigur Rós, über Bon Iver tauchen Künstler bis hin zu den Beach Boys auf. Aber mit welchen Bands mögt ihr überhaupt verglichen werden?

Mit all denen, die du gerade genannt hast zum Beispiel. Ich meine wir sind nicht besonders beachboysy, ausser vielleicht bei den Harmonien, aber wir haben sie uns früher viel angehört und sie beeinflussten uns. Sigur Rós sind einfach grossartig! Sie bauen diese riesigen Giarrenwände und können einen Song auf sechs, sieben Minuten ausstrecken, ohne dabei zu langweilen. Was wir können, verdreifachen Sigór Ros und fangen dort an, wo für uns Schluss ist. Aber wir sind keine Sigur Rós-Kopie. Ich mag zwar das Wort an sich nicht, aber wir sind sicher etwas poppiger, oder strukturierter. Bon Iver mag ich auch sehr.

Gibt es auch noch andere Einflüsse?

Ja, wir werden zum Beispiel viel mit den Fleet Foxes verglichen. Helplessness Blues war ein wichtiges Album während der Phase, in der wir die neue EP aufnahmen. Zudem ist es mein Lieblingsalbum des letzten Jahres. Aber natürlich machen wir unser eigenes Ding. Uns Alben von anderen Künstlern anzuhören, das ist manchmal, wie zur Schule zu gehen. Bei Grizzly Bear ist mir das total aufgefallen: Ich hab mir ihr Album angehört und die ganze Zeit gedacht: „Hey, das klingt interessant und das auch und diese Dynamik klingt cool, so was will ich auch mal ausprobieren.“

Geert, du bist zuvor in einer Menge anderer Bands gewesen, etwa in Shai Hulud, einer Metalcoreband. Hat sich dein Songwriting dadurch verändert, dass sich der Musikstil geändert hat?

Ja, auf jeden Fall. Bei Shai Hulud war es so einfach, wütend zu sein. Du hast einfach geschrien, denn die Welt war schwarz und weiss. Ich war 18 Jahre alt und ein Idealist, dazu unzufrieden und voller angestauter Energie. Aber mit der Zeit habe ich diese Einstellung hinter mir gelassen. Die Hardcorescene allgemein machte mich nicht mehr glücklich, denn ich habe 100 und mehr Konzerte im Jahr gespielt und wahr schlicht und einfach nicht mehr wütend. Ich wollte gefühlvoller, nachdenklicher und persönlicher werden in meinem Songwriting, doch bei Shai Hulud war dafür kein Platz.
Also habe ich The Black Atlantic gegründet und mit wechselnder Besetzung gespielt. Ich glaube jetzt passt alles, jeder ist in die Entstehung der Songs integriert. The Black Atlantic leben Harmonie.

Wenn ihr auf Tour seid, bleibt da auch mal Zeit, einen Song zu schreiben?

Nein, ich glaub nicht, dass wir das je geschafft haben. Ausser dieses eine Mal, als wir irgendwo im Nirgendwo Schwedens ein paar Tage Pause hatten und ganz einfach nichts anderes tun konnten. Aber normalerweise haben wir für so was keine Zeit. Zum Beispiel heute sind wir um sechs hier angekommen, haben gegessen, sind nun hier und nachher geht’s los. Wir sind immer unterwegs, aber das ist auch schön, denn so lässt du alles auf dich zukommen, ganz ohne Druck.

Wenn wir schon von der Tour reden, gab’s mal einen witzigen Zwischenfall, der den Touralltag etwas durchbrochen hat?

Allerdings. Wir hatten eine sehr abenteuerliche Anreise hierher. Elvin, unser Tontechniker hat nämlich seinen Pass zuhause vergessen und wir haben erst letzte Woche gemerkt, dass das bei der Einreise in die Schweiz zum Problem wird. Also hat seine Freundin uns den Pass nach Karlsruhe nachschicken müssen, aber er muss unterwegs verloren gegangen sein. Zum Glück kannte jemand von Rue Royal (die Vorband, Anm. des Red.) jemanden von hier und der erzählte uns von einem Zollübergang, der, sagen wir mal, nicht ganz so häufig benutzt wird.

An dieser Stelle fällt es dem Redaktor (auf Bitte der Band) schwer, sich zu erinnern, wie die Grenze tatsächlich überwunden wurde… Doch da The Black Atlantic nicht nur mit einer gehörigen Portion Rock’n’Roll, sondern auch mit einigem Leichtsinn gesegnet sind, kann tatsächlich noch von einem zweiten (früheren) Himmelfahrtskommando über die Grenze berichtet werden:

Ja, das war nicht das erste Mal. Wir haben schon mal in Zürich gespielt und zuvor die Pässe vergessen. Das war ziemlich ungünstig, da wir das Konzert in der Schweiz hatten, und zudem gebuchte Flüge in die USA und nach China danach. Wir hatten also keine Wahl und so fuhren wir einfach drauflos, schnurstracks über die Grenze. Es war ein richtiger Cowboy-Move. Zum Glück ist nichts passiert.

Zum Schluss würde ich noch gerne mit euch über das Haldern Pop Festival, sowie deren hauseigenes Label sprechen: Wie kam es zur Zusammenarbeit, durch die euer Album Reverence for Fallen Trees auf dem Haldern Pop Label erschienen ist?

2010 wurden wir von Stefan, dem Geschäftsführer des Festivals, eingeladen, um an einer Pressekonferenz zu spielen. Wir gefielen im so gut, dass er das Album unbedingt in Deutschland veröffentlichen wollte. Wir waren natürlich einverstanden, erst recht, da er sich auch nicht davon abschrecken liess, dass das Album schon seit fast einem Jahr gratis herunterzuladen war.
Danach spielten wir zwei Mal in Folge am Festival. Ich glaube, wir hatten eins unserer allerbesten Konzerte dort.

Vielen Dank für dieses Interview, Geert und Matthijs. fs

Am 11.02.12 spielen The Black Atlantic am One Of A Million Festival in Baden.