ICH UND PHILIPP POISEL

Ich bin ja der Meinung, ein Artikel, der einen gewissen journalistischen Anspruch hat, sollte – nein darf – NIE mit «ich» beginnen. Ich erinnere mich auch noch daran, dass man nicht sich zuerst nennen soll, bei einer Aufzählung. Egal. Ich finde übrigens auch, jemand, der eine Band überhaupt nicht kennt, sollte keine Konzertreview darüber schreiben. Egal, denn ich werde hier jetzt eine Ausnahme machen, weil Philipp Poisel an seinem Konzert im Moods am 16.11. auch Dinge gemacht hat, die ein vielversprechender Musiker, der in Deutschland riesige Hallen füllt und bei Herbert Grönemeyers Label Grönland unter Vertrag ist, eigentlich auch nicht macht.

Egal, hat er sich wohl gesagt und für die Leute wie mich, die die Band gar nicht kannten, eine kleine Diashow vorbereitet, wo man die Band als Einzelteile in der jeweiligen Kindheit betrachten konnte. Ja, das war nett, Philipp Poisel hat auch geistreiche Anekdoten dazu erzählt (meist handelten sie von Bier oder Mädchen, haha), und ich kriegte Hühnerhaut. Nicht nur vor Rührung, auch, weil es mich bisweilen schauderte ob dieser peinlichen Nähe. Da sang zum Beispiel der junge Mann vor mir in herzzerrüttender Lautstärke und Inbrunst mit, dass man fast lachen musste (oder habe ich gelacht?).

Ein anderer junger Mann erzählte mir dann auch – wieso eigentlich? – dass er mit dem VW Bus bis nach Toulouse gefahren sei, nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte. «Bis nach Toulouse» heisst auch das Album von Poisel, dessen Nachnahme man französisch ausspricht und der, tatsächlich, in Toulouse ein Konzert gegeben hatte. Er hat dann auch den jungen Mann mit dem VW Bus erwähnt. Das fand ich sehr sympathisch. Sowieso ist er sympathisch, der Philipp, mit seinen 28 Jahren auf dem guten Weg ein ganz Grosser zu werden. Sein kurzatmiges «vielen Dank, Dankeschön, vielenvielen Dank», klingt auf jeden Fall schon sehr nach Grönemeyer.

Und die Musik? Wenn man von Titeln wie «Liebe meines Lebens» absieht, spielen Poisel und seine Jungs soliden deutschen Pop. Und bei deutschem Pop ist die Linie zum Schlager ja nur ganz fein, also manchmal ist seine Musik unerträglich, und manchmal einfach schön. jk